Wie gelingt Prävention in öffentlichen Bädern?

Bäder sind nicht nur Sportstätten. Sie sind Freizeitorte, an denen man Zeit verbringt und Spaß hat. Bäder sind darüber hinaus auch Wellness-Oasen. In Sprudelbecken, in Saunen und sogar in Bars im Wasser wird man verwöhnt. Noch vielmehr sind Bäder aber Orte, an denen man gern aktiv im Wasser ist. Angebote zu nutzen, gehört dazu. Umso mehr lohnt es sich für Badbetreiber, das Modell „Kursort“ weiterzudenken.

Senioren, die in den 1970er Jahren als Erste mit Angeboten der Wassergymnastik ihre Fitness und Vitalität erhalten wollten, gehören auch heute noch zur beständigsten Zielgruppe. Selbst mit größeren gesundheitlichen Einschränkungen sind sie nicht davon abzubringen, das Wasser als Medium für den Sport zu nutzen. Insbesondere  Frauen im mittleren und höheren Alter sind treue Besucher*innen der Aquafitness-Kurse. Sie kommen meist beständig über Jahrzehnte hinweg. Dagegen sind Männer noch nicht so lang dabei. Sie entdecken aber zunehmend mehr das Wasser und die netten Gruppen auch für sich.

Mit modernen Kursen von Aqua Aerobic über Aqua Boxing bis Aqua Zumba werden darüber hinaus auch junge und aktive Menschen erreicht.

Sind Bäder Kursorte, Sportstätten oder Freizeitanlagen?

Nahezu alle Altersgruppen sind mit unterschiedlichen Angebote entsprechend ihren Wünsche versorgt. Immer wieder gibt es auch für das Wasser neue Fitnesstrends. Für Bäder stellt sich die Frage?

  • Was könnte denn das Einzigartige sein, um attraktiv und gleichzeitig unabhängig von Trends zu bleiben?
  • Womit können Bäder aktiv auf ihre Partner und auch ihre Gäste zugehen?

Eine Antwort ist, den Fokus wieder mehr auf die Fertigkeiten zu legen. Was in den Anfängen der Schwimmbäder Schwerpunkt war, nämlich das Schwimmen zu lernen, könnte heute mit Blick auf die vielfältigen Bewegungsformen im Flach und Tiefwasser wieder wichtig werden.

Nämlich Badegästen Übungen und Methoden lernen, mit denen sie auch ohne Kurs kompetent sportlich aktiv werden können. Voraussetzung dafür ist, dass Angebote gemacht werden, die das Lernen zum Ziel haben.

Krankenkassen fördern Prävention

An dieser Stelle werden die Krankenkassen wichtig.

Sie haben über das Präventionsgesetz den Auftrag, genau solche Maßnahmen zu fördern. Wichtiges Organ und Steuerungsgremium ist dabei die Kooperationsgemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen. Das ist eine Arbeitsgemeinschaft von über 90 % der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Im Jahr 2014 hat sie die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) mit Sitz in Essen gegründet. Diese prüft und zertifiziert Präventionskurse gemäß den Vorgaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).

Mit Stand 2017 sind ca. 95 000 Kurse nach § 20 SGB V in der Individualprävention zertifiziert. Der Bereich Bewegung macht mit 63 % dabei den größten Teil aus (siehe Abbildung 1). Präventionskurse, die von der ZPP zertifiziert werden, erhalten das Qualitätssiegel “Deutscher Standard Prävention“.

Das Siegel gibt Versicherten die grundsätzliche Gewähr, bei regelmäßiger Kursteilnahme eine anteilige oder vollständige Kostenübernahme zu erhalten. Welche zertifizierten Angebote in welcher Höhe bezuschusst werden, regelt jede Krankenkasse eigenständig in ihrer jeweiligen Satzung.

Kurse und Angebote

Die ZPP differenziert bei den 60 000 Kursen im Bereich Bewegung nicht nach Angeboten an Land und im Wasser. Einen Einblick über die Verteilung gibt lediglich die Datenbank der standardisierten Programme. Zertifizierte Kursleiter*innen oder auch Krankenkassen- Mitarbeiter*innen sehen hier, welche zertifizierten Angebote es gibt. Sucht man darin zum Beispiel nach allen Bewegungsangeboten, die „Aqua“ oder „Wasser“ im Titel tragen, bekommt man (Stand 15. Juli 2018) 54 von insgesamt 793 Kursen angezeigt.  Diese Angebote wurden von nur 20 verschiedenen Anbietern eingestellt.

Der Umfang und die Dauer der einzelnen Kursangebote ist unterschiedlich. Sie orientieren sich danach, wie die  Nutzungszeiten im Abgleich mit den allgemeinen Öffnungszeiten sowie dem Schul- und Vereinsbetrieb gestaltet werden. Darüber hinaus spielt auch eine Rolle für die Kursgestaltung, wie Bäder in der Winter und Sommersaison öfnnen.

Einen Überblick bietet die Abbildung 2. Dem Badegast Kompetenz zu vermitteln, scheint ein Schlüssel für mehr Auslastung und Attraktivität in den Bädern zu sein. Gemeinsam mit den Krankenkassen, sowohl für den Einzelenen als auch im Themenfeld kommunaler Prävention aktiv zu werden, wäre ein vielversprechendes Szenario für Bäder. Was jetzt noch fehlt, das passende Angebot. Und zwar eines, das nicht nur auf Teilnehmerzahlen für Kursauslastung ausgerichtet ist, sondern auch mittel- und langfristig flexibel für Badbetreiber mit unterschiedlicher Wasserfläche und Betriebskonzepten bleibt.

Kursteilnehmer*innen kommen als Badegäste wieder

Für alle ist klar und logisch;

Wer schwimmen will, muss es lernen. Wer sicher schwimmt, nutzt das Bad auch als Sportstätte. Die Fähigkeiten sind also die Basis für selbstständiges Üben.

Für die Aquafitness gilt das Gleiche. Gäste, die selbsständig ein Übungsrepertoire beherrschen, kommen gern wieder. Vielerorts sieht man sie schon, die Aqua-Jogger*innen, die mit den Schwimmer*innen gleichzeitig im Wasser sind.

Und es geht noch mehr. Bäder, die bereits mit Prävention-Angeboten arbeiten die darauf abzielen, dass die Teilnehmer*innen nicht nur als Kursbesucher*innen sondern auch als zahlende Gäste wiederkommen, bieten ein innovatives Angebot, das langfristig mehr regelmäßige Besucher*innen ermöglicht.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am . Setzte ein Lesezeichen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.